St. Florian

Mitte des letzten Jahrhunderts gab es im Pfarrgebiet von St. Florian 22.000 Katholik/inn/en; zu viele für die seit 1725 bestehende Kirche, die schon 1858 als zu klein angesehen worden war.

Es wurde daher die alte sog. „Rauchfangkehrerkirche“ abgerissen und ein neues Gotteshaus gebaut. Die, nach Plänen von Architekt Rudolf Schwarz erbaute Kirche, wurde am 20. Oktober 1963 dem Hl. Florian geweiht.

Der Grundgedanke des ausgeführten Baus, ein hoher kastenartiger Hauptraum mit großen Fensteranteilen. Durch diese ergibt sich ein Bauwerk von großer Transparenz. Nicht, dass man durch die Glasfenster das Innere sähe, jedoch ist der Raum von außen völlig ablesbar. So reduziert sich die Form der Kirche auf ein schlichtes Nebeneinander dreier Quader. Diese Schlichtheit spiegelt so auch die Schlichtheit des großen, dreischiffigen Innenraums wider, der sehr flexibel an verschiedene Nutzungserfordernisse anpassbar und technisch sehr gut ausgestattet ist.

Doch ist diese Schlichtheit des Innenraums nur auf den ersten Blick bzw. bei Schlechtwetter vorhanden. Sobald die Sonne scheint kann man dem Raum einen gewissen Prunk nicht absprechen, dann nämlich, wenn die bunten Glasfenster voll zur Geltung kommen und zum primären gestaltenden Element des Innenraums werden und so in ihrer Funktion über das bloße Licht-herein-lassen (was sie auch nicht wirklich tun) hinausgehen.
An der Altarseite wird das durch das Stahlbetonskelett gebildete Motiv des Lebensbaums noch unterstützt, die rechte Seite ist die „Waagewand“, die linke die „Torwand“. In der Rückwand über dem Eingang wird das in die tragende Struktur eingeplante Kreuz durch die Farben der Fenster zusätzlich hervorgehoben.

Folgende Worte schrieb der Pfarrer von St. Florian, Theodor Blieweis, 1967, nachdem die Bauarbeiten am neuen Pfarrkomplex im Großen und Ganzen abgeschlossen waren, wohl als Antwort auf all jene Stimmen, denen „die außerordentliche Strenge, Härte und Wucht des Baus […….] total wesensfremd“ war:

„Die Raumgestalt unserer neuen Pfarrkirche ist aus dem Material unserer Zeit geschaffen und mit den Möglichkeiten unserer Zeit.
Manche stoßen sich an dem ungewohnten Anblick des Betons. Zunächst einmal wollen wir sagen, daß sich noch viel mehr Menschen stoßen an den Pseudovergoldungen aus lauter unechtem Marmor, unechtem Gold, aus unechtem Aufputz vergangener Zeiten; daß sich viel mehr Menschen daran stoßen, daß die Kirche hier etwas vortäuscht, was wirklich nicht ist, und so tut, als ob sie noch mit Geschmeide und Gold prunken könnte oder gar sollte. …. Daß wir das Material unserer Zeit nehmen zur Gestaltung dieses Raumbildes, hat, abgesehen von technisch selbstverständlichen Begründungen, noch einen tiefen Sinn. Glaube und Religion sind nicht etwas, das neben den Leuten steht. Das sind Stoffe unserer Zeit, und sie erinnern daran, daß wir Werkleute unsere Zeit sind, auch im Namen des Glaubens. ….“

10 Jahre (bis 2016) war hier die „Jugendkirche Wien“ zu Hause, was zu weiteren Veränderungen des Innenraums führte, die sich jetzt die Pfarrgemeinde gut zunutze machen kann. Der Raum eignet sich aber auch für verschiedene andere Gottesdienste der Pfarre, wie auch großer diözesaner (insbesondere Jugend-) Veranstaltungen – und wird dafür auch verwendet.

Quelle: vgl. Georg Siegel: Zur Architektur der Pfarrkirche St. Florian. Online HIER.

Zur Webseite von St.Florian: http://www.pfarre-st-florian.at

St. Florian
St. Florian, Fotos: H.Straßer
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